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Wieso die F8 mehr als nur ein Facebook-Event war

5min read.

Mark Zuckerberg hat mir diese Woche vor Augen geführt, wieso ich genau in der richtigen Branche bin. Ein spannender Trip in den Sonnenstaat der USA und den wohl aufregendsten Tech-Cluster der Welt, der mit einer kleinen Lektion in Sachen Dankbarkeit endet.

Aufgeregt und voller Vorfreude geht es für mich diesen Montag an den Flughafen in Zürich, wo bereits mein holder Vogel wartet, um mich über den Teich in die Vereinigten Staaten von Amerika zu bringen. An den Ort, wo Träume entstehen — zumindest für Leute wie mich. An den Ort, wo wahrscheinlich weltweit die grösste Dichte an Nerds (und das meine ich im positiven Sinne) auf einem Haufen sitzen und an den Innovationen der Zukunft arbeiten. Dem Silicon Valley. 🛫🇺🇸

Pflichtbewusst habe ich versucht noch alle nötigen Dinge für meinen Stellvertreter zu erledigen oder es zumindest so vorzubereiten, dass er nicht in einem Meer von Bullshit ersäuft, bevor es für mich los geht. Ich hoffe, dass ist mir halbwegs geglückt. Er wird es mir wohl spätestens am Freitag Morgen sagen, wenn ich wieder aus dem Flugzeug steige. Ach ja, ich schreibe diese Zeilen gerade im Valley selbst. Vielleicht weil ich gerade im Flow bin oder die Erlebnisse einfach zu Papier/Bildschirm bringen will.

2 Tage voller Sessions, Keynotes und Networking

⏩ Spulen wir ein wenig vorwärts.

Nach echten und auch gefühlten 24 Stunden Reise lande ich Mitten in der Nacht in San José, CA. Hier soll im lokalen Messe-Zentrum die #F8-Convention von Facebook steigen. Die jährliche Entwickler-Konferenz des Tech-Giganten, die mehr als reine PR ist, wie ich schnell feststellen sollte.

Um 08.00 Uhr am nächsten Tag öffnet die Registrierung und weil ich ein Frühaufsteher bin, mache ich mich lieber zu früh als zu spät auf den Weg.

Ja, leck mich fett. Bereits mehr Leute in einer Schlange, als beim neusten iPhone und das eine Stunde vor der offiziellen Eröffnung. Nerds dieser Welt, ich habe euch unterschätzt. Innerlich habe ich die erste Keynote schon mal gestrichen. Wie sollen Tausende in diese Halle kommen und das auch noch rechtzeitig?

Und wieder liege ich falsch. Keine 30 Minuten später stehe ich vor einer netten Dame mit hellblauem T-Shirt. «Welcome at Facebook, Roger», grüsst sie mich und reicht mir sogleich meinen Badge. Hut ab, Freunde. 5’000 Menschen aus aller Welt einfach mal so handeln. Nicht schlecht, aber vielleicht unterschätze ich auch, in welchen Dimensionen Mark Zuckerberg und sein Lebenswerk Facebook denken.

Da steht er. Keine 50 Meter von mir entfernt erzählt Zucks, wie er nach dem harten Jahresauftakt trotzdem keine Sekunde an Zweifel oder falsche Gedanken verschwendet. Er beweist ungewohnt viel Selbstironie und präsentiert das Watch-Party-Feature an seinem eigenen Beispiel: Man könne sich ja gemeinsam mit seinen Freunden das Hearing eines Freundes anschauen und ein wenig darüber Lachen.* Okay, Mark. Eier und Humor. Gute Paarung, die für mich aufgeht.

*Für alle die keine Ahnung haben, wovon ich da spreche: Mark Zuckerberg musste in den vergangenen Wochen vor dem US-Kongress zum Cambridge-Analytica-Datenskandal Stellung nehmen und die Befragung wurde live auf der ganzen Welt übertragen.

Der Gründer von Facebook lässt keine Zweifel über die Visionen seines Unternehmen offen. Der Global Player will dominieren und zwar jeden erdenklichen Markt, den er betritt. Das kriegt auch Tinder zu spüren. Als Zuckerberg ankündigt, dass Facebook künftig auch eine Dating-Plattform anbietet, rasselt der Aktien-Kurs der Wisch-App um 20% in den Keller.

Im Verlauf des Events wird mir klar, wie gross Facebook eigentlich ist. Hier arbeiten hunderte Entwickler an einer AI (künstliche Intelligenz), die entscheiden soll, ob eine andere AI fair urteilt, wenn es darum geht, wer welchen Job auf Facebook empfohlen kriegt. Der Tech-Gigant hat eine Grösse und ein Mass an Einfluss erreicht, welche sich wohl kaum noch vergleichen lassen.

Zwischen den interessanten Sessions über VR, AI und die wichtigsten Änderungen im Newsfeed lerne ich viele spannende Menschen aus der ganzen Welt kennen. Zum Beispiel Natalie, die aus Schweden kommt. Nachdem wir die obligatorischen Schweden/Schweiz-Witze gemacht haben, erfahre ich mehr über ihren Alltag. Sie hat drei Kids und hat nebenbei ihr eigenes Unternehmen gegründet und verkauft nun Werbung für Schweizer, ähh schwedische Unternehmen. Oder Andi, der aus Deutschland kommt, im Bereich der Prospekt-Werbung tätig ist und mit dem ich an der After-Party ein paar lustige Momente erlebe. Und zum Schluss läuft mir auch noch unsere CTO beim Frühstück über den Weg, mit der ich mich über eine Stunde lang austauschen kann. Am Ende sind wir uns einig: Viel zu tun, aber es wird Spass machen.

Die kleine Lektion in Sachen Bescheidenheit zum Schluss

Nachdem ich dem Convention-Center den Rücken gekehrt habe, laufe ich zurück ins Hotel, um mich dort noch ein letztes Mal so richtig amerikanisch zu verköstigen: Burger, Pommes und Bier stehen auf dem Plan.

Beim Bestellen fallen mir zwei Männer im mittleren Alter — ja, ich darf das sagen, bin schliesslich auch schon näher bei 30 als 20 — auf, die gerade mit dem Kellner über die Rechnung diskutieren. Es stellt sich heraus, dass die beiden zu wenig Geld haben und das Hotel nur Bares akzeptiert. Verzweifelt kramt einer der beiden seinen kürzlich erhaltenen Lohnscheck hervor und versucht ihn dem Kellner verzweifelt schmackhaft zu machen.

Also werfe ich mich einfach mal in die Runde und frage die Beteiligten, was den fehlt. 4$.

Ich nehme ihnen die Rechnung weg, sage ihnen sie sollen ihr Geld einstecken und sich keine weiteren Gedanken machen. Ich würde ihr Essen übernehmen. Randnotiz: Wir sprechen hier von 20$ für zwei Mahlzeiten in einem Hotel.

Die beiden können ihr Glück kaum fassen und lassen mich gleich ein dutzend Mal durch Gott segnen oder beschützen, was auch immer. Selbst der Kellner kriegt sich vor lauter Freude kaum noch ein.

Als die Männer dann in Richtung Arbeit verschwinden — ich glaube, dass sie beim Abbau im Convention-Center helfen werden — , wird mir gerade das Paradoxe an der Situation klar: Gerade eben noch sprichst du mit Tech-Nerds aus der ganzen Welt, die in ihrem Leben wohl nie wieder einen Gedanken an Geld verschwenden müssen, kriegst von Facebook teure Tech-Gadgets geschenkt und eine Sekunde später triffst du zwei erwachsene Männer, die ihr letztes Hemd verkaufen würden, damit sie eine warme Mahlzeit am Tag geniessen dürfen.

Lektion gelernt: Einfach wieder einmal Revue passieren lassen, wie gut es einem eigentlich geht und die Dankbarkeit ab und zu auch zulassen. Danke.

Wir sehen uns, wenn ich zurück bin. Und Facebook, bis gleich im Newsfeed👋🏻

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