Logo
Mein Blog.

Der schmale Grat zwischen Selbstbewusstsein und Arroganz

«Ich bin gut!» Diesen Satz hörst du bestimmt zu selten von dir selbst – oder aber zu oft. Wo liegt der wahre Unterschied zwischen Arroganz und Selbstbewusstsein? Es ist ein schmaler Grat, der mich schon oft anecken lies und trotzdem will ich dir eine Sache ans Herz legen: «Du bist GUT!»

Viele Menschen fassen Selbstbewusstsein in einer Zeit der Unsicherheit und des Durchschnitts als Arroganz auf. Trotzdem gibt es gravierende Unterschiede zwischen den beiden Eigenschaften. In meiner Jugend war ich nicht nur selbstbewusst. Ich bin hier 100% offen mit dir: Ich war auch arrogant. Teilweise wurde es sogar meinen Eltern zu viel. Ich spürte jeweils ihre Blicke, die mir sagen wollten: «Roger, ist gut jetzt.» Also, wirklich gemerkt habe ich das damals nicht. Sonst hätte ich ja etwas dagegen unternommen. Aber seit ich mir meiner „Phase“ – so nenne ich das gerne – bewusst bin, kommen mir einige Situationen in den Sinn, in denen ich jeweils besser einfach den Mund gehalten hätte.

Was ist Selbstbewusstsein?

Häufig in diesem Kontext wird Selbstbewusstsein mit Selbstsicherheit oder Selbstvertrauen gleichgesetzt. Das möchte ich hier auch tun. Ich fasse die Begriffe unter Selbstbewusstsein zusammen. Das Begriff beinhaltet das Wort „bewusst“. Es verkörpert für mich – ich bin nicht Konrad Duden – den wahren Kern. Du musst dir bewusst sein, was du bist und was du kannst. Das zeugt von deinem Selbstvertrauen in dich selbst und der Fähigkeit an dich selbst zu glauben. Die grössten Feinde unserer Gesellschaft und die Gründe für mehr gescheiterte Träume überhaupt sind Zweifel. Viele Menschen haben eine völlig falsche Einschätzung ihrer Fähigkeiten und tendieren sich selbst zu unterschätzen – und dann gibts da noch die andere Sorte.

Im Gegensatz zu den Menschen die sich zu wenig zutrauen, haben wir die echten „Alleskönner“. Du begegnest solchen Menschen jeden Tag. Es ist egal, welches Thema du anschneidest, sie sind die Experten darin. Haben von allem schon gehört und alles gesehen. Und die schlechteste Eigenschaft, die diese Menschen häufig besitzen: Sie hören nicht zu. Welchen Zusammenhang das mit dem Selbstbewusstsein und der Arroganz hat, wirst du dich fragen. Ich erkläre es dir an meinem eigenen Beispiel.

«Ja, ich war ein ziemliches Arschloch.»

Bereits in meiner Kindheit verpflichtete ich mich dem Sport und da ich ein ehrgeiziger Typ bin, war ich All-In. Durch das viele Training und die ständigen Wettkämpfe lernte ich mit Druck und Negativität umzugehen. Wenn wir aufs Spielfeld gingen, wussten wir: Wir sind die Besten. Verlieren gilt nicht und es gibt keine Ausreden. Diese mentale Einstellung nach dem Sport wieder abzuschalten oder auszusetzen war schwierig – das weiss ich heute. Meine Angewohnheiten nahmen auch in der Freizeit und in der Schule überhand. Oftmals habe ich Menschen nicht mehr richtig zugehört und mir eine Meinung über sie gebildet, bevor ich sie überhaupt kannte. Ja, ich war ein ziemliches Arschloch.

Ich kann mich an den Moment erinnern, als meine „Phase“ schlagartig zu Ende war. Ich war mit meinem Paten in einem Restaurant und er erzählte mir von einer Finca auf Mallorca, die er mit seinen Golf-Kollegen über den Sommer buchen wollte. Sie würden immer wieder in dieselbe Finca gehen, weil dort das Personal einfach unglaublich gut ist. Als ich fragte, ob das der einzige Grund sei, meinte er nur: «Roger, du kannst von jedem Menschen da draussen etwas lernen. Ob Putzfrau oder Banker. Jeder hat seine Geschichte und seine Erfahrungen. Die Frauen und Männer die dort arbeiten, haben mich eine Menge über das Leben dort gelehrt und besitzen sehr viel Charisma. Ich schätze das.»

Kennst du diese Momente, die dein Leben ändern? Richtig, das war so einer für mich. Auf einmal merkte ich, dass ich die letzten Jahre ein totaler Depp war und eine Menge Erfahrungen verschenkt habe.

Was ist also der Unterschied?

Ich will dir zum Schluss erklären, was für mich die optimale Kombination ist und wie ich täglich versuche durchs Leben zu gehen. Für mich ist es wichtig, dass du weisst, was du kannst. Du musst aber auch wissen, was du nicht kannst. Und das ist der Knackpunkt. Niemand gesteht sich selber gerne Schwächen ein, aber es ist essentiell zu wissen, was du nicht kannst. Ich habe beispielsweise nicht die leiseste Ahnung von Musik und Kunst. Meine Lehrer wussten teilweise nicht, ob sie mir den Pinsel wegnehmen sollten oder ob mein Gekritzel schon als abstrakte Kunst durchging. Es gibt zu 100% Dinge in denen du spitze bist. Die Gesellschaft will dir sagen, welche Schwächen du alle aufzubessern hast. Meine Meinung dazu? Ich gebe einen Scheiss auf meine Schwächen. Versteh mich nicht falsch. Ich kenne sie. Ich gebe nur nicht viel drauf an ihnen zu arbeiten.

Hier kommt der Punkt an dem du wissen musst, welche Stärken du hast und hier sollst du auch Selbstbewusstsein ausstrahlen. Übe dich jedoch auch in Bescheidenheit und höre jedem Menschen zu, denn wie auch ich erfahren musste, du kannst von jedem Menschen etwas lernen. Der Mensch hat zwei Ohren und einen Mund. Nutze sie proportional und hör mehr zu! Weisst du, wieso Menschen auf andere arrogant wirken? Wenn sie zu viel über sich selbst sprechen und nicht zuhören. Das ist der #1 Grund – und zwar mit Abstand.

Du bist gut. Du hast deine Stärken und die sollst du ausstrahlen und leben. Du hast jedoch auch deine Schwächen und deren musst du dir bewusst sein. Spitz die Ohren und fang an von anderen Menschen zu lernen. Du wirst es lieben – vertrau mir.